Sonntag, 12. März 2017

Berndt Koberstein Preis 2017

Pressemitteilung

Preisträger des Berndt Koberstein Preises 2017 sind „Schwere-s-Los“ und „Wahlkreis 100%“.
Der mit insgesamt 10.000.-€ dotierte Preis wird seit 2012 Mal vergeben und erinnert an den 1986 von der Contra in Nicaragua ermordeten Aufbauhelfer Berndt Koberstein.

Die Jury des Berndt Koberstein Preises würdigt mit Ihrer Entscheidung die beispielhafte künstlerische und kulturelle der Initiative „Schwere-s-Los“ Arbeit mit Erwerbslosen und seit einigen Jahren auch mit Flüchtlingen. „Schwere-s-Los“ ist dabei mehr als nur ein Zusammenschluss von künstlerischen Initiativen, sondern trägt mit ihrer Arbeit in vorbildlicher Weise zur Stärkung des Selbstwertgefühls und des Eigenengagements von in unserer Gesellschaft benachteiligten Menschen bei – kulturelle Bildung und „empowerment as ist best“.

Die Laudatio für „“Schwere-s-Los“ wird Ursula Konfitin, ehemalige Leiterin des Amtes für Soziales und Senioren der Stadt Freiburg, halten.

Der Verein „Wahlkreis 100%“ setzt sich seit Jahren für ein uneingeschränktes Wahlrecht für alle in der BRD, bzw. in Freiburg lebenden Menschen ein, egal welcher Staatsangehörigkeit, also für 100% der erwachsenen EinwohnerInnen unserer Stadt. Gleichzeitig führt „Wahlkreis 100%“ bei lokalen wie nationalen Wahlen mit dem Aufstellen eigener Wahlurnen exemplarische Wahlen für alle in Freiburg lebenden AusländerInnen und Deutsche mit Migrationshintergrund durch und veröffentlicht deren Ergebnisse. In einer Zeit, in der politisch viel über Integration gesprochen wird, ein besonders wertvoller Beitrag dazu.

Die Laudatio für den „Wahlkreis 100%“ hält Meral Gründer, Geschäftsführerin von „Südwind“.

Für die musikalische Begleitung sorgt die Gruppe „Gobi 3 Schöne“.

Die Preisverleihung des Berndt Koberstein Preises 2017 findet am Donnerstag, den 4. Mai 2016 um 19Uhr30 im „Weinschlösschen“ (Wilhelmstr./Ecke Schnewlinstr.) statt.

Donnerstag, 26. Mai 2016

Freitag, 6. Mai 2016

Badische Zeitung: Das Mietshäusersyndikat erhält den Berndt-Koberstein-Preis 2016

In diesem Jahr ging der mit 10 000 Euro dotierte Berndt-Koberstein-Preis an das Mietshäusersyndikat. Linke-Stadtrat Hendrijk Guzzoni hat den Preis in Erinnerung an seinen Freund gestiftet, der 1986 in Nicaragua ermordet wurde.

Die Preisträger wollten nur im Kollektiv auf die Bühne, und so wurde es am Dienstagabend ziemlich voll im Gewölbekeller des Weinschlösschens: "In einer Zeit, in der Wohnungsknappheit und galoppierende Mietpreissteigerungen das Grundrecht auf Wohnen immer stärker beeinträchtigen, ist das Wirken des Miethäusersyndikats wertvoller denn je", befand die Jury.

Vor fünf Jahren hatte Linken-Stadtrat Hendrijk Guzzoni den Preis gestiftet, in Erinnerung an seinen Freund, den 1986 in Nicaragua ermordeten Aufbauhelfer Berndt Koberstein. "Dieses Jahr wäre Berndt 60 geworden, er wurde nicht mal 30", sagte Guzzoni zu Anfang, "ein ganz seltsames Gefühl." Mit dem Preis will Guzzoni Initiativen oder Personen würdigen, die sich für ein solidarisches Zusammenleben engagieren.

In diesem Sinne waren die Preisträger ein Volltreffer. Das Mietshäusersyndikat, das Anfang der 80er Jahre als kleine Kooperative auf dem Grether-Gelände begann, hat sich zu einem Verbund von 111 Hausprojekten mit mehr als 2000 Bewohnern in verschiedenen Städten und im ländlichen Raum entwickelt. In den einzelnen Häusern können Menschen günstig und eigenverantwortlich wohnen, ihre Organisation im Syndikat verhindert, dass die Immobilien jemals verkauft werden können. Sie sind dem Markt und der Gewinnerzielung entzogen – und das ist das Schnippchen, das die Syndikalisten dem Kapitalismus geschlagen haben.

"Euer Beispiel macht Mut, ihr seid mehr als ein Geschäftsmodell", würdigte Laudator Martin Wiedemann von der Fabrik die Preisträger in einer klugen und empathischen Rede: Sie begann mit dem Recht auf Behaust-Sein, das vom Höhlenmenschen bis zum Plattensiedler politische und gesellschaftliche Bedeutung hat, sprang zum Häuserkampf als Hebel zur Systemveränderung und endete mit der gewitzten Strategie des Mietshäusersyndikats.

Stellvertretend für alle bedankte sich Stefan Rost und regte das nächste Schnippchen an: Wäre doch schön, meinte er, wenn Mieterinitiativen bei der Stadtbau die Selbstverwaltung für ihre Häuser einführen würden. Langanhaltender Applaus für die Preisträger.