Freitag, 4. Mai 2012

BZ: Werte honorieren

Freiburger Berndt-Koberstein-Preis wurde erstmals verliehen.

Hendrijk Guzzoni ist der Stifter dieses neuen Freiburger Preises. Der Freiburger Berndt Koberstein, der bei seiner Aufbauarbeit in Nicaragua, als Leiter eines Trinkwasserprojekts für die Stadt Wiwili, 1986 einem Attentat zum Opfer fiel, – er ist der Namensgeber. An der Wiwili-Brücke, der Blauen Brücke, erinnert eine Gedenktafel an ihn. Nah der Brücke, in der Elisabeth-Schneider-Stiftung, wurde nun erstmals der Preis verliehen, der, wie Guzzoni sagt, die Werte "honoriert", für die Koberstein – der Freund und Mitbegründer der Friedensliste – seinerzeit eintrat. Ein Preis für "Zusammenleben und Solidarität". Die großzügige, fördernde Anerkennung von 10 000 Euro ist bei diesem ersten Mal geteilt. 7000 Euro erhält das Südbadische Aktionsbündnis gegen Abschiebungen (SAGA), das sich für jene einsetzt, die man "illegal" nennt, die "illegalisiert" werden, wie die Laudatorin Nausikaa Schirilla sagt. SAGA bietet vom Ausschluss bedrohten Migranten Hilfestellung beim bürokratischen Hürdenlauf. Und leistet Öffentlichkeitsarbeit für jene, die keine Stimme haben. Für ein couragiertes Eintreten für Menschenwürde – eine ungeteilte Menschenwürde, wie Schirilla betont – nun also der Preis, den die Aktivisten gleich in schöner Mannschaftsstärke in Empfang nehmen.

Den Preis für SAGA kann man eine naheliegende Entscheidung nennen. Dass daneben ein Vertreter der freien Bildenden Kunst eine Auszeichnung für Zusammenleben und Solidarität bekommt, erklärt sich nicht so selbstverständlich. Und ist doch in dem Fall auch wieder schlüssig. Der Freiburger Richard Schindler hat sich immer auf den Raum bezogen, den man den öffentlichen nennt. Als Beobachter und Deuter wie als Handelnder. Schindler ist Künstler und Analytiker. Ein kundiger Leser von Spuren, der uns verständlich macht, was wir sehen. Von einer "Ästhetik des genauen Hinschauens" spricht Laudator Dirk Sommer. Sehen und Verstehen, wie Schindler es vorführt, sei, so der Künstlerkollege, "die Präambel für solidarisches Handeln". Was einem auf der Straße begegnet – und mag es der Trampelpfad sein, der dem vorgezeichneten Weg entgegenläuft –, gilt ihm potenziell als Zeichen. Und als es darum ging, die landschaftsbildliche Verträglichkeit der Windkraftanlagen am Schauinsland zu beurteilen, holt er zu einer Untersuchung von Landschaft aus – sich stets verändernder Kulturlandschaft am Beispiel des Schwarzwalds.

Doch ist der Künstler Schindler auch in seiner gestaltenden Arbeit nicht weniger auf den Lebensraum bezogen. In Schulen, Kindergärten et cetera geben er und Mitarbeiterin Rita Deschler der Kunst eine soziale Basis, ohne starre Vorgabe – in der Zusammenarbeit vor Ort, mit denen, für die diese Arbeit gedacht ist. In Form einer Freien Landesakademie erweitert sich die gestaltende Sozialarbeit aktuell in die Lehre.

Dass und wie er Ästhetik in der Gesellschaft verortet, macht Richard Schindler plausibel zum Preisträger.

Quelle: http://www.badische-zeitung.de/kultur-sonstige/werte-honorieren--59052169.html