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Freitag, 3. Mai 2019

Ludatio Kuhle Wampe

von Maxi Schneider


Liebe Kuhle Wampe, lieber Hendrijk, liebe Jury, liebe Antifaschist_innen, liebe Gäste,

nein, Kuhle Wampe hat nichts mit Bierbäuchen zu tun. Aber ahnungslos und vorurteilsbehaftet wie ich war, dachte ich das als ich vor einigen Jahren zum ersten mal von einem Motorradclub mit diesem Namen hörte.

Weit gefehlt.

Der Name, den sich der antifaschistische Motorradclub vor über 40 Jahren gab, stellt historische Bezüge zur Arbeiterbewegung der Weimarer Republik her. Ich möchte Sie und euch daher zunächst einmal mitnehmen in die erste Hälfte des vergangenen Jahrhunderts und damit in eine Zeit, in der unsere Kuhle Wampe von heute noch gar nicht gegründet war. 

Laudatio auf „friga e.V. Sozialberatung in der Fabrik“.

von Jess Jochimsen


Liebe Preisträgerinnen, liebe Jury,
sehr geehrte Damen und Herren,

der Preis, dessentwegen wir hier sind, erinnert nicht nur an das Wirken seines Namensstifters, er beinhaltet in seiner vollen Betitelung auch ein „wofür“. Weil dieses „wofür“ ziemlich wundervoll ist und weil es die Preisträgerin, die ich loben möchte, so treffend beschreibt, sei es einmal komplett genannt und ausgesprochen. Und zwar gleich, im ersten und wichtigsten Satz:

Der diesjährige „Berndt Koberstein Preis für Zusammenleben und Solidarität in Freiburg“ geht – wie ich finde, zu Recht und aus besten Gründen – an die „Freiburger Initiative gegen Arbeitslosigkeit, friga, Sozialberatung in der Fabrik“. Herzlichen Glückwunsch!

Laudatio Straßenschule Freiburg


von Dirk Oesselmann


Liebe Gäste und Mitwirkende dieser Preisverleihung, liebe Engagierte, besonders die der Straßenschule, sehr geehrte Damen und Herren,

„Wir gehen dorthin, wo keiner hinwill!“ – „Wir sind mit denen, die keiner sehen will!“ – „Wir sind bei denen, die keiner hören will!“ So definierten sich die Streetworker, mit denen ich vor vielen Jahren in meiner Arbeit mit Straßenkindern im Großraum São Paulo Kontakt hatte. Zwei Dinge sind daran bemerkenswert: Einmal die besondere Aufmerksamkeit auf die No-Go / No-See / No-Hear-Menschen. Ja, es gibt sie: Menschen, die mitten unter uns sind und trotzdem ist es so, als ob sie nicht da wären. Zum anderen, es kommt darin eine gegenläufige Dynamik gegen ein gesellschaftliches Nicht-Wollen zum Ausdruck, gegen auch emotional begründete Ausgrenzung.

Donnerstag, 3. Mai 2018

Laudatio für das Linkes Zentrum adelante von Lina Wiemer-Cialowicz

Liebes LIZ, lieber Hendrijk, liebe Jury, liebe Engagierte, sehr geehrte Damen und Herren,

die Verleihung des Bernd-Koberstein-Preises an das Linke Zentrum adelante freut mich sehr und sie bietet mir und uns die Möglichkeit, ganz allgemein und generell, aber auch konkret über „Linkes Engagement“ und „Linke Politik“ in Freiburg nachzudenken.

„Gemeinsam, solidarisch, selbstverwaltet.“ So versteht sich das Linke Zentrum in der Glümerstraße 2 in der Freiburger Wiehre. Ich finde, das ist nicht nur die Beschreibung des Ist-Zustands, es ist auch zukunftsweisend.

Das Linke Zentrum ist ein Ort, der bald sein sechs-jähriges Bestehen in sehr bürgerlicher Nachbarschaft feiert. Ein Ort, gegründet von einem Kollektiv von zumeist Alt-Linken, ist ein Ort für potentielle Jung- und Neu-Linke geworden. Ein Ort, der es seit sechs Jahren schafft, sich allein aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen zu finanzieren. Von Beginn an bestand der Anspruch eine Anlaufstelle vor allem für junge Menschen zu sein. Dass dies gelungen ist, wird spätestens bei den Straßenfesten in der Glümerstraße deutlich.

Anspruch und Wirklichkeit liegen beim Linken Zentrum dicht nebeneinander. Und das können nicht alle linken Anlaufstellen in Freiburg von sich behaupten.

Erfolgreich können linken Bewegungen und linke Politik dann sein, wenn sie allgemeinen Schlagwörtern wie Kapitalismuskritik, Neoliberalismus oder Heteronormativität ein Aussehen jenseits von Dogmatismus und Ideologien verleihen, und wenn sie es schaffen, linke Theorien in praktische Arbeit zu übersetzen. Genau das gelinkt im Linken Zentrum, denn es bietet einen niederschwelligen und offenen Raum für linke Politik. Neben Vorträgen, Organisation von Demos oder Lesekreisen, können dort Menschen zusammenkommen, die noch in keiner fest organisierten Gruppe aktiv sind.

Laudatio an die ADW


von Wilfried Telkämper

Laudatio zur Verleihung des Berndt Koberstein-Preises an die ADW, 03.05.2018 



Lieber Hendrik Guzzoni, liebe Jury, liebe ADWlerInnen, lieber Bürgermeister von Kirchbach, StadträtInnen, FreundInnen und Gäste,

vielen Dank für die Möglichkeit, die Laudatio zur Verleihung des Berndt-Koberstein-Preises an die ADW, Aktion Dritte Welt in Freiburg, halten zu dürfen – und das im Jahr des 50-jährigen Bestehens der ADW.

Mir ist es eine besondere Ehre, mit diesem Preis nicht nur an die Zusammenarbeit und Solidarität in unserer Stadt Freiburg zu erinnern, sondern gleichzeitig auch Berndt Koberstein zu gedenken.

Kurz vor seiner Abreise 1986 nach Nicaragua hatten wir auf dem Gelände der FEW noch einen Tag lang einen Container mit Rohren für die Wasserleitung in Wiwili beladen. Mit Freude konnten wir vor dem Verschließen des Containers noch ein paar private Geschenke für FreundInnen in Wiwili einladen, insbesondere den Vespa-Roller von Christian Neven-du Mont. Das war meine letzte Begegnung mit Berndt vor seiner Ermordung.


Mittwoch, 7. Mai 2014

Laudatio für die Preisträgerin Margarethe Mehring-Fuchs

von Michael Kaiser, Leiter des Jungen Theaters des Stadtteaters


Liebe Margarethe,
Sehr geehrte Damen und Herren der Jury,
Liebe Kollegen, Freunde und Gäste,

meine Geschichte mit Margarethe Mehring-Fuchs beginnt im Jahr 2006, als wir – Intendantin Barbara Mundel und Team – die Arbeit am Theater Freiburg begonnen haben. Damals waren wir auf der Suche nach Kooperationspartnern in der Stadt. Wir wollten mit Menschen zusammenarbeiten, die vor Ort lebten und gemeinsam mit uns ungewöhnliche Theaterprojekte mit Kindern und Jugendlichen auf die Beine stellen konnten.

Meine Kolleginnen, Kollegen und ich hatten zuvor die Dokumentarfilme »Die Judenschublade« und »Zwischen Rap und Ramadan« gesehen und waren begeistert davon, wie es dem Duo Mehring-Fuchs und Stephan Laur darin gelang, junge Menschen zu porträtieren, ihnen außergewöhnlich nahe zu kommen und ihre Geschichten auszuloten, sie dabei aber nie auszustellen oder vorzuführen.

Im Film »Die Judenschublade« zeigen die Filmemacher, wie junge Juden im Jahr 2003 in Deutschland leben, wie sie mit ihrer Geschichte umgehen und sich mit dem Antisemitismus auseinandersetzen. »Zwischen Rap und Ramadan« entstand zwei Jahre später und gewährt einen Einblick in die Lebenswelt von vier jungen Freiburgern muslimischen Glaubens.

Mein erstes Treffen mit Margarethe fand im Theatercafé statt. Nach der Begrüßung kam sie ohne größere Umschweife auf den Punkt: »Also«, sagte sie, »ich hätte da Ideen für zwei Theaterstücke mitgebracht …«

Rede: Berndt Koberstein

Wie war das, als ich vom Tod Berndt Kobersteins erfahren habe.

Der Tod kam so beiläufig mit den ersten Nachrichten an meinen Tisch, es berichtete die neutrale Stimme eines unbeteiligten Nachrichtensprechers, eingeklemmt zwischen Popmusik, Wetter und Verkehr. …darunter der Deutsche Berndt Koberstein.

Die ersten Nachrichten meines Tages mischten sich mit den Geräuschen der Kaffeemaschine und bildeten die Begleitmusik für das Wachwerden und die Tagesplanung. Man bekommt sie sowieso nicht wirklich mit, man erwartet nicht viel Neues und auf einmal fiel dieser Name, der so gar nicht in irgendeinen Zusammenhang passen wollte und erst langsam wurde mir klar daß diese Nachricht, genau diese Nachricht etwas mit mir zu tun haben mußte.

Da wurden Menschen, darunter einer, den ich kannte, nicht gut, aber kannte, irgendwo an einem fremden Ort auf einem anderen Kontinent gewaltsam ins Jenseits befördert und auf einmal setzten sich Gewalt und Tod frech und ungefragt an meinen Frühstückstisch und verbreiteten, obwohl weit entfernt, zunächst Unverständnis, Staunen und Hilflosigkeit, dann Trauer und Wut.